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Der Weg zur Selbstlosigkeit

Phil Innere Freiheit Leave a Comment

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Im November 2009 kamen mir während einer morgendlichen Meditationsphase folgende Gedanken in den Sinn: Das vermeintliche Paradoxon, das sich aus der Beziehung zwischen deinem Selbstbewusstsein und dem Begriff Selbstlosigkeit ergibt,
ist die Begriffsdeutung, und die daraus resultierende Frage:

wie kann ich selbstlos sein und gleichzeitig meines Selbst bewusst?

 

Zunächst dachte ich, ich könnte mich bei meinen Ausführungen an Buddha halten, doch da ich über reichhaltige Bibelkenntniss verfüge,
 habe ich mich lieber an das neue Testament und die Briefe des Apostel Paulus gehalten, speziell an die Korinther.
 Wenn man sich Jesu Lehren einmal genauer anschaut, wird man einige Parallelen zu den buddhistischen Lehren entdecken. 
So gesehen war Jesus auch ein kleiner, wenn nicht sogar der größere Buddha.

 

Man darf jedoch nicht vergessen, dass der Lehrer und der Schüler zusammen nur eine Lehre erzeugen.
 Darüberhinaus würde kaum einer , der sich je mit dem Ego, dem falschen Selbst, auseinander gesetzt hat, den meiner Meinung nach
 wichtigsten Satz Buddhas verstehen:

Die Hand, die zum Mond zeigt, ist nicht der Mond

 

Es dreht sich also bei der Frage , wie ich selbstlos und gleichzeitig selbstbewusst sein kann um das Ego , das falsche Selbst, und wie werde ich es selbst wieder los.

Es läuft zwangsläufig darauf hinaus, dass mit dem Begriff selbstlos ein anderes – wahrscheinlich minderwertigeres Selbst gemeint ist. Paulus bezieht sich in den Korinther Briefen auf Streit und Eifersucht unter den ersten Christen, und nennt diese Eigenarten “fleischlich”
.

Dieser Begriff fleischlich kann auch mit dem Begriff Ego umschrieben werden.

Als Beispiel dient der Streit der Apostel in Matthäus Kap.20 Vers 20-28.
 Die Frage, wer von Ihnen der Grösste sei, impliziert einen Vergleich.
 Jesus griff dem zuvor und verwies auf reine , vollkommene Selbstlosigkeit (Egolosigkeit) , bedingungslose Liebe und der daraus resultierenden wahren zwischenmenschlichen Größe.

 

Zurück zum Ego , dem “kleinen ich“ – dem durch die Identifikation mit dem Verstand entstandenen rationalisierten Selbst.

Wie kannst du dir dies am besten verdeutlichen?

Du lebst mit einer mentalen Vorstellung von dir selbst, mit einem eingebildeten Ich, zu dem du eine Beziehung unterhältst.

Dies hört sich zunächst ziemlich schizophren an, und tatsächlich kann man sagen, dass das Ego durch eine Spaltung im menschlichen Geist entsteht, 
bei der sich die Identität in zwei Teile trennt, die mit „ich“ und „mein“ bezeichnet werden können.

Nahezu jeder Mensch auf dieser Welt ist mit seinem Verstand in Form von Gedanken identifiziert. Es ist eine Form der kollektiven Störung.
 Manche Menschen reden dabei Ihre Gedanken laut zu sich selbst,und bekommen von dem einen oder anderen einen Besuch beim Therapeuten empfohlen.

Der Mensch tut dies, schon seit er denken kann.
 Die erste Identifikation kommt mit dem ersten mal, als man als Kleinkind
 von einem Elternteil gesagt bekommt, „Du“, unterstützt durch das Zeigen mit dem Finger auf einen Selbst,
 und man antwortet als Kind „ich“.

Tatsächlich ist es bei vielen Kindern so (war bei mir nicht anders), dass sie zuerst nachplappern, indem sie auf sich deuten und „Du“ sagen.

Im Laufe der Zeit wird diese Identifikation durch die ersten Sandkasten Erfahrungen gestärkt, indem man zu einem Förmchen im Sand das erste Mal „meins“ sagt.

Nimmt ein anderes Kind dieses Förmchen weg, obwohl noch viele andere bunte Förmchen im Sand liegen, entsteht das erste zwischenmenschliche Drama. 
Die Identifikation mit dem Förmchen, und auch mit sich Selbst wird abrupt durchtrennt, und die Lücke im mentalen Selbstbild wird das erste Mal als
sehr bedrohlich empfunden. Die Bedrohung wird auch so erlebt, und man weint und schreit, und schlimmstenfalls haut man dem Kind eins auf die Nase.

Wenn ein Elternteil dies mitbekommt, belächelt er/sie das Dilemma wahrscheinlich bis zu dem Zeitpunkt, als einem der eben neu gekaufte 320 BMW von einem Autodieb
 entwendet wird.

Eventuell hatte man auch einen wunderschönen Job, der einen ausgefüllt hat, man hat sich mit seiner Stelle, mit seinem Firmenlabel, mit seinem akademischen Grad identifiziert, und auf einmal wird man gekündigt.

Wer schliesst denn nun „meine“ mentale Lücke? Wer beendet mein Drama, wer beendet meine Depression, die durch das Nachdenken über den Verlust entstanden ist?

Wer oder was bin ich, wenn das was mich vermeintlich ausmacht (Job, Auto, Haus, Förmchen, Freundin) auf einmal weg ist?

Wenn so ein Verlust als lebensbedrohlich empfunden wird, und sich sogar manche Menschen das Leben nehmen, wenn sie Ihren Job verlieren, kann es gar nicht anders sein,
 als dass eine Identifikation mit den Gedanken , die sich zu einem rationalisierten Selbst in Bezug auf die Vergangenheit entwickelt haben, stattfand.

Identifikation kommt von den lateinischen Wörtern “idem” und “facere”, das heisst Gleichmachen.

Es ist also das Gleichmachen gemeint, wenn ich mich mit etwas identifiziere.
Gleichmachen womit?

Mit mir

Ich verbinde ein „Ichgefühl“ mit etwas aussen, und so wird es Teil meiner Identität.
 Eine der grundsätzlichsten Ebenen der Identifikation, ist die mit Dingen.
 Aus meinem Spielzeug wird später mein Haus, meine Kleidung, meine Yacht, meine Frau – meine Kinder. Das macht mich vermeintlich aus.

Das ist der Weg des Ego.

Als Jesus sagte, „werdet wie die kleinen Kinder, wenn ihr das Königreich erben wollt!“, dann kann man davon ausgehen, dass er deshalb auf Kinder verwies,
 weil bei Kindern die Struktur des Egos noch nicht, oder kaum ausgeprägt ist, da die Vergangenheit und die damit verbundene Prägung noch nicht fortgeschritten vollzogen ist. Kinder sind im wesentlichen glücklicher, lachen nachweislich 40 mal am Tag mehr als Erwachsene, leben bewusster.

Eine der Hauptmerkmale des Egos ist das Bedürfnis nach mehr.

Das Ego identifiziert sich mit dem Haben, aber die Befriedigung, die ihm das Haben bringt, ist sehr oberflächlich, und nur von kurzer Dauer.
Im tiefsten Innern bleibt ein Gefühl der Unzufriedenheit, der Unvollständigkeit zurück, als sei es nicht genug.

“ich habe nicht genug” damit meint das Ego prinzipiell “ich bin noch nicht genug”

Das Haben ist in der Struktur des Egos eine Fiktion, rein illusorisch.

Damit will sich das Ego Festigkeit und Dauer verschaffen, und sich hervortun, als sei es etwas ganz Besonderes. 
Da wir jedoch durch das Haben nicht zu uns selbst finden, macht sich daneben noch ein stärkerer Trieb bemerkbar, der ebenfalls zur Struktur des Egos gehört:


Das Bedürfnis nach mehr, das wir auch Verlangen nennen können. Kein Ego hat auf Dauer Bestand, ohne das Verlangen nach mehr.

Deshalb erhält das Verlangen nach mehr das Ego viel stärker lebendig, als das Haben selbst.

Das Verlangen wird durch das falsche Selbst über den Vergleich mit Anderen geweckt.
 Das Ego ist deshalb auch nichts anderes, als eine gedankliche Reflektion (Objektorientiertheit) basierend auf einem Vergleich.

Der Vergleich wiederrum ist eine Basis für Verlustangst und der Ursprung für Neid und Eifersucht.
 Ohne den mentalen Vergleich zwischen mir und den Anderen, zwischen meinem Weg und dem Weg der Anderen, und Bewertung der Anderen hört Eifersucht und Neid einfach und simpel auf zu existieren.

Wer dachte in einer Notsituation, oder in einer Trennung denn noch nie „am liebsten würd ich mich umbringen!“

Schon einmal daran gedacht, wer hier eigentlich wen umbringen will?

Manche Menschen aber empfinden nach einem schlimmen Verlust einen unglaublichen Frieden, obwohl sie alles verloren haben, und machen von vorne weiter.
 Sie hatten das erste Mal ihr wahres Bewusstsein erlebt, es war Ihnen nur nicht wirklich bewusst.

Der Verlust hat Ihnen gezeigt, dass sie nach der verloreren Identifikation mit dem verloreren Objekt noch weiter atmen.

Leider flüchten sich die meisten Menschen in ein neues mental erdachtes Selbstbild, und bemitleiden sich, erschaffen sich eine Opferrolle, und weinen Ihr Leben lang über ihr so schlimmes Schicksal.

Hauptsache das mentale Selbstbild bleibt – lieber ein Selbstbild, als gar keines ist ihre Devise, nicht wissend, dass hinter dem Verlust das Ende ihres Leidens steht !

Als Jesus an den reichen Kaufmann appelierte, er möge ihm nachfolgen, und sich selbst aufgeben, wird einem deutlich, was diese Worte bei dem Kaufmann ausgelöst haben mochten.
 All seine Dinge, die Extensionen seiner erdachten Persönlichkeit, hätten bei ihm nicht nur den Verlust seiner Güter bedeutet, sondern gleichzeitig den Verlust seiner Identität, seines vermeintlich falschen Selbst. 
Dass dieser Verlust ihn jedoch seinem wahren Selbst, näher gebracht hätte, und sein Leiden, seinen inneren Mangel beendet hätte, das konnte er sich wahrscheinlich nicht vorstellen.

Buddha bedeutet übersetzt „das Ende allen Leidens“
. Würde ich jetzt sagen, ich bin Buddhist, würde ich nur wieder einer erdachten Ideologie nachjagen, einer Identifikation mit einem „Label“ wo „Buddha“ draufsteht.

Das aber ist es nicht wert. Buddha sagte einst, dass das Ende allen Leidens nur im hier und jetzt möglich ist, nur wie komme ich dahin in das Hier und Jetzt?

Die Antwort lautet – gar nicht, ich bin bereits da, nur eben nicht in meinen Gedanken, denn Denken braucht (psychologische) Zeit, und die nutze ich häufig, wenn ich zwischen den Gedanken an Vergangenes und den Gedanken an noch Kommendes täglich hin und her springe.

Dies geschieht jedoch immer hier und jetzt. Niemand wird jemals die nicht mehr existente Vergangenheit besuchen können, noch in die Zukunft schauen können, da beide Zustände reine Illusionen sind, Vorstellungen und Ideen.

Wie lässt sich das Ego noch besser beschreiben? Ich stelle mir vor, dass man als Mensch eine Energieform ist,
und dieses mentale Selbstbild in Form von Gedanken (Ego) eine eingeschlossene Lebensenergie auf einer anderen Frequenz innerhalb uns selbst ist.
 Wenn ich dir jetzt also sage, die Gedanken sind das Problem, dann sagt dein Ego wahrscheinlich

wie kann ich aufhören zu denken, wie kann ich meine Gedanken stoppen, das ist völlig unmöglich

Energetisch wird durch diesen Gedanken dein Ego noch mehr gestärkt, der Gedanke kommt durch eine Hintertür wieder herein, und die Katze beisst sich in den Schwanz.

Das Ziel kann also für dich sein , dass du dein Bewusstsein kennenlernst, dass du dein wahres Selbst kennenlernst, erst dann bist du – energetisch eins mit allem, die Frequenz passt und 
du vibrierst auf der richtigen Schwingung. du siehst die Lücken zwischen den Sternen, wenn du den Abendhimmel ansiehst, du bist das pure Sein, reine Existenz.

Dann siehst du den Baum, die Katze, den Stein das erste Mal so wie er wirklich ist, alles wird intensiver, du lächelst.
 Wenn du das irgendwann erlebst, und du versuchst es zu beschreiben, kannst du das was du beschreibst nur wieder in Gedanken wiedergeben, wie eine Postkarte, ein Schnappschuss vom „Selbst Sein“.

„OK, weg mit den Gedanken, wie denn??“ magst du jetzt wahrscheinlich denken.

durch Annahme – Wenn du es schaffst, jeden Gedanken , der bei dir ankommt als Gedanken zu entlarven, dann bist du wahrscheinlich ein Erleuchteter, und das sind im Schnitt etwa 60.000 Gedanken am Tag. Aus meiner Erfahrung wiederholen sich die meisten Gedanken ständig. Der Vergleich mit dem Hamsterrad ist gar nicht einmal so schlecht. Wenn jede Sprosse einem Gedanken gleicht, dann sieht man die Gedanken nicht mehr, wenn der Verstand erst einmal Vollgas gibt, wenn sich das Hamsterrad bewegt.

Eine sehr wertvolle Annahme Übung ist, dass du dich hinsetzt, möglichst wenn dich niemand stört, die Augen schliesst, und dir ein Mauseloch vorstellst, und wartest, bis deine Gedanken aus diesem Mauseloch kommen. (Mein Erste Gedanke, der aus dem Mausloch kam, war übrigens „Ich hätte riesen Lust auf ein „Becks“)

Du wirst sehr schnell merken, dass irgendwann keine Gedanken mehr kommen, dann bist du im „jetzt“ angekommen.

Man nennt diesen Zustand auch „Nomind“.

durch diese Übung kommst du deinem Bewusstsein immer näher, ein Frieden und innere Zufriedenheit macht sich breit, du bist was du bist. Du erkennst deine Gedanken als deinen Verstand und nicht als dich selbst !

Wenn du dich das erste Mal siehst wer du wirklich bist, wird es unvergesslich sein.

Ab da weißt du. – Jeden Tag besser, dass die Gedanken wirklich störend sind.

Diese

Was soll ich nur machen, alles ist so schrecklich, mein Job nervt so, ich werde immer älter, ich war schon lange nicht im urlaub

Gedanken meine ich.

Alles Gedanken, die zwar zu dir gehörig sind, aber nicht „du“ sind.

Du merkst dann, dass sich die Gedanken „verfalschselbstständigt“ haben, dass der Verstand autonom geworden ist, und durch die Annahme, durch das reine Erkennen kommt alles wieder in richtige Bahnen.
 Du benutzt schön langsam deinen Verstand, und nicht er dich.

Wärst du dein Verstand, dann könntest du ihn nicht beobachten – so wie der Fisch, der im Wasser lebt, kein Wasser kennt. (Danke an Albert Einstein)

Als Jesus zur Hinrichtung ging, und gesagt haben mag „man möge ihnen verzeihen, denn sie wissen nicht was sie tun“ , ist dieser Satz aus der selbstlosen Sicht schon wesentlich nachvollziehbarer – nicht?

Zum Schluss ein Zitat aus den Korintherbriefen :

Die Liebe ist langmütig und gütig. 
Die Liebe ist nicht eifersüchtig, sie prahlt nicht, bläht sich nicht auf,
benimmt sich nicht unanständig, blickt nicht nach ihren eigenen Interessen aus, läßt sich nicht aufreizen.
 Sie rechnet das Böse nicht an.
Sie freut sich nicht über Ungerechtigkeit, sondern freut sich mit der Wahrheit.
 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles.

Die Liebe versagt nie

Apostel Paulus

 

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