2015-07-29_14-55-33

brauchen wir viele einsame Inseln?

Phil Flirt & Beziehung, Innere Freiheit, Ziele & Selbstverwirklichung 2 Comments

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Wenn Egoisten auf dem Egotrip sind, und du bist darin involviert, hast du zunächst mal die A-Karte.
Ist nicht schön, aber nicht hoffnungslos.

Vielleicht lebst du, oder arbeitest du mit Menschen zusammen, bei denen du das Gefühl hast, es würde sich alles nur um sie drehen, und deine Bedürfnisse hätten keine Gültigkeit.

Verstehe mich nicht falsch, jeder ist hier und da mal egoistisch und möchte nur die eigenen Interessen durchsetzen.
Das ist völlig in Ordnung und nicht einmal verwerflich, aber nur im richtigen Kontext, sprich auf einer einsamen Insel.

In der Interaktion mit minimum zwei Menschen sollte das System, oder das Team, das sie bilden, mehr sein, als die Summe seiner Teile.
Das wäre höchst effektiv, und leider erst nur die Idealvorstellung.
Ist die Summe der Teile weniger als die Teile selbst, ist das Team nicht wirklich ökologisch, um die Früchte ihrer Gesamtwirkung sind keine.
Stelle dir einmal vor, du hast die Verantwortung für den Erfolg einer Fussballmannschaft, und jeder Spieler will nur seine eigenen Interessen durchsetzen.
Du kannst dir sicher denken, dass dann Chaos herrscht und das Gesamtziel ist ernsthaft in Gefahr.

Der Torwart , der immer schon mal gerne Stürmer sein wollte, rennt unkontrolliert und unkoordiniert über den Platz,
der Aussenverteidiger sagt zum Innenverteidiger „Du lauf du mal, ich will nicht immer laufen“ und der Mittelfeld Regisseur nimmt sich kurz vor dem Finale
Urlaub, weil er ausgebrannt ist, wie er sagt.

Im sportlichen oder beruflichen Kontext gewinnt und verliert immer die Mannschaft. Kein Einzelner ist in der Tabelle oben oder unten, auch wenn er zum Jahresende die
Meisterschale kurz halten darf, oder eben den Abstieg schnell vergessen will. Das Team bleibt in der Aussenwirkung gut oder schlecht, auch wenn manche Spieler/Kollegen
leuchten, oder eher unterdurchschnittlich leisten.
Bei der zweiten Spezies fällt die Leistung im beruflichen Kontext weniger auf, als auf dem Platz, denn wenn der Innenverteidiger nicht laufen will, wird er vermutlich schnell ausgewechselt.

Wenn im beruflichen Kontext jemand nicht mitmachen will, oder Lust auf etwas Anderes hat, dann bleibt die Arbeit eben liegen, und wird dann von Anderen übernommen.
Dies ist in kleinen Betrieben auch nicht lange machbar, weil es auffällt, und da tut man alles um das wohl der Firma nicht zu gefährden, aber in großen Konzernen leider gang und gäbe, weil die Arbeitslast nicht so übersichtlich ist.

Was im beruflichen Kontext Teams fehlt, ist einerseits die richtige Einstellung, sprich die Motivation sich dem Gesamtziel unterzuordnen – zum Wohle aller Teamteilnehmer, andererseits das Gesamtziel selbst, oder das Bewusstsein dafür fehlt.
Viele Gesamtziele wie Wachstum, Wertanstieg der Aktie, sind für die einzelnen Mitarbeiter viel zu weit weg, oder werden nicht richtig transportiert. Motivation und Ausrichtung auf das Gesamtziel sollte daher maximal im Teamkontext stattfinden und damit messbar bleiben.

Wie sieht es im privaten Kontext aus?
Wieviele Paare kennst du, die mehr sind als nur die Summe ihrer Selbst, oder zumindest ein Gesamtziel verfolgen.Ich kenne nicht viele.
Was ich kenne sind hedonistisch eingestellte Pärchen, denen es hauptsächlich darum geht, ihre Interessen durch den Anderen erfüllt zu bekommen.
Wenn beide gleichzeitig so eingestellt sind, dann kriegt keiner was, dann sitzen sich zwei Bettler auf der Pelle und beklauen sich um ihren Seelenfrieden.

Für diese Konstellation gibt es dennoch keine universell gültige Beschreibung, wie so etwas zustande kommen kann, und doch gibt es viele Parallelen.

Da gibt es den Mann, der es als Kind nicht gewohnt war, dass seine Bedürfnisse wichtig sind, und diesen Umstand will er mit seiner Frau berichtigen.
Wenn die Frau so aufgewachsen ist, dass sie ihre Bedürfnisse jedem anderen Bedürfnis unterordnen musste, wird das vermutlich eine Zeit lang klappen,
ausser sie will diesen Umstand ebenfalls berichtigen. Dann enden beide bedürfnistechnisch in einer Sackgasse.
Verstehe mich nicht falsch, es ist ok Bedürfnisse zu haben, aber genauso wichtig auch auf die Bedürfnisse anderer zu achten.
Für egoistische Menschen ist dieser zweite Umstand ausgeblendet. Sie haben das Wort „geben“ aus ihrem Repertoire gestrichen.

Ist an sich kein Problem, aber dann bitte ab auf die einsame Insel.

Wenn du daher in einer Beziehung steckst, in der du das Gefühl hast, du gibst, aber bekommst Null, dann wird es für dich an der Zeit, diese Konstellation zu reflektieren.
Egoisten sind aber leider auch Meister darin, dich persönlich dafür verantwortlich zu machen, und dass sowieso alles deine Schuld ist. Ein Egoist wird sich selbst niemals eingestehen können egoistisch zu sein, das ist in sich paradox.
Vermutlich bist du dann voller Schuldgefühle und dein Selbstwert ist immer kleiner.
Alleine schon beim Thema Sex kannst du das beobachten. Nehmen wir an du bist ein Typ, dem es wichtig ist, dass seine Frau nicht zu kurz kommt, d.h. du bist nicht darauf aus, sie als Mittel zum Zweck zu sehen.

Anfangs der Beziehung habt ihr euch jede nacht fast aufgefressen und nun ist es höchstens einmal im Monat, weil sie nicht will. Systemisch gesehen reicht es schon, dass einer , egal aus welchen Umständen öfter will als der Andere, damit sich diese Phasen wo beide wollen immer mehr mit Tagen ohne Sex füllen.
Trotzdem – liebt sie dich, sprich will sie dir etwas geben und nicht nur kriegen, wird sie auch darauf achten, dass es dir gut geht.
Dann ist sie an einer Lösung interessiert, aber umgekehrt ist ihr eine Lösung egal, solange es ihr gut geht, und du vielleicht brav weiter treu bleibst und dir dabei die Augen überlaufen.

Ist sie egoistisch, wird sie dir auch noch die Schuld dafür geben und sagen „Du willst immer nur“, und du schluckst das und nickst das ab, weil irgendwo stimmt das auch, aber trotzdem
hast du ein schlechtes Bauchgefühl und das zurecht.
Treue ist ein Geschenk und keine Verpflichtung. Und Treue sollte nur für Menschen wirksam sein, die aufeinander achten und sich etwas Gutes tun wollen. Alles Andere darf auf die einsame Insel.

In dem Fall hast du vollkommen ein Anrecht auf Sex mit wem auch immer du willst, der das mit dir genauso sieht. Kein Mensch kann und darf dich am Treueschwur festnageln, wenn du das Gefühl hast dass deine Bedürfnispyramide zusammensackt.
Menschen , die dich nicht wollen und immer verschieben, oder vertrösten, haben nun mal andere Prioritäten als Dich und indem du dies akzeptierst und nicht verleugnest bekommst du deinen Handlungsspielraum zurück.

Und lasse dir auch nicht mit Selbstliebe kommen. Diese neue Selbstliebe Welle ist für Egoisten nur noch mehr ein Anreiz sich selbst so völlig in Ordnung zu sehen. Wenn schon Selbstliebe, dann erst Recht einfach mal weiterschauen und für dich sorgen.

Und Selbstliebe ist an sich auch nicht ohne Kontext zu sehen, denn wir alle sind das Ergebnis unserer Umwelt, d.h. das Selbst ist ohne der Umwelt nichts. Versuche dich doch mal selbst zu massieren, oder zu umarmen, oder habe Sex mit dir selbst.
Du wirst schnell an deine Grenzen kommen. Beim Sex wird höchstens eine deiner Hände stark, aber nicht dein Selbstwert.

Wir können nicht ohne den Anderen wirklich. Ausser natürlich ohne Egoisten, die können auf eine einsame Insel.

Fassen wir zusammen:
1. Teams sollten mehr sein als die Summe ihrer Teile.
2. Gesamtziel im Teamkontext ist förderlich für den Erfolg des Teams.
3. Auch Pärchen können Teams sein.
4. Du kannst für deine Bedürfnisse in anderen Teams sorgen, auch wenn du dich vielleicht dabei schuldig fühlst und den Ausgang noch nicht siehst.
5. Lieben heisst geben und kriegen können/dürfen.

Ich wünsche mir, dass wir keine einsamen Inseln brauchen!Phil
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