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Frei von Gedanken

Arthur Innere Freiheit 2 Comments

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Möglicherweise gehörst du zu den Menschen, die für sich erkannt haben, wieviel Lebensqualität die Freiheit von den eigenen Gedanken mit sich bringt.

Und vielleicht kennst du auch folgendes Dilemma:
Auf der einen Seite weißt du, wieviele Sorgen und wieviel Leid der unbewusste Verstand bereit hält, auf der anderen Seite kannst du ihn nicht so recht loslassen. Schließlich brauchst du das Denken – etwa um Verantwortung zu übernehmen oder dir Ziele zu setzen. Ist es nicht so?

Lasse  mich dir eine etwas andere Sichtweise darauf zeigen.

Häufig beobachte ich folgende Reaktion bei den Menschen, die den Wahnsinn erkannt haben, den das identifizierte Denken mit sich bringt:
Sie stellen sich gegen das eigene Denken. Es ist wie ein Reflex – und er scheint gut gemeint zu sein, frei nach dem Motto „ich sehe jetzt, wie sehr mir meine Gedanken im Wege sind. Also versuche ich meine Gedanken zum Schweigen zu bringen.“

Doch auch dies ist nur ein weiterer Gedanke. Ein Gedanke mehr, der sie verfolgt und sie innerlich spaltet. Ich möchte diese Falle  hier einmal ansprechen, damit du dies für dich überprüfen kannst.

Liegst du manchmal im Zwiespalt mit den eigenen Gedanken, und merkst dann, dass dieser Zwiespalt bloß ein weiterer Gedanke ist?

Im Grunde wissen wir logisch denkenden Menschen:
Ein Problem lässt sich nie auf der Ebene des Problems lösen. Alle Probleme haben eines gemeinsam: Um die Lösung zu finden, darf stets ein anderer Standpunkt bezogen werden.

Eine neue Perspektive darf her.
Wenn ich beispielsweise nicht weiß ob ich nächste Woche Montag um 19 Uhr Zeit für einen weiteren Termin habe,  und es mir einfach nicht einfallen will, so sehr ich auch darüber nachdenke,
dann schaue ich in meinen Kalender. Manchmal reicht es auch, wenn ich mir ein Bild von meinem Wochenablauf mache.
Beides ist eine neue Perspektive. Wenn ich mich nicht erinnern kann, dann ändere ich den Fokus. Oder ich stelle die Frage in einen Zusammenhang.

Was den Verstand angeht, ist das ziemlich verzwickt:
Wie soll der Verstand aus dem Verstand austreten? Er kann es nicht.
Die Frage mag lustig klingen, doch genau das ist es, was scheinbar viele Menschen versuchen, wenn sie auf die Themen „Ego“ oder „Meditation“ stoßen.
Sie versuchen sich in Gedanken aus den Gedanken zu lösen.
Es ist unmöglich!

Darauf verwies Buddha mit seinem Satz „die Hand, die zum Mond zeigt, ist nicht der Mond“.
Das Denken ist hilfreich um zu verstehen, doch gedanklich kannst du diese Perspektive nicht wechseln.

Ähnlich ist es wenn du durch eine Überwachungskamera blickst, und etwas über das Gebäude wissen möchtest, in dem sie montiert ist. Die Aufgabe wäre auch hier nicht, gegen diese Kamera anzukämpfen oder gar diese abzustellen.
Der Versuch mit dem Denken aufzuhören gleicht dem Versuch die Kamera abzustellen, durch die du gerade blickst – mit dem Ziel etwas über das Gebäude zu erfahren.
Es ist vielleicht hilfreich sie auszuschalten, aber nicht notwendig. Die Kamera darf weiter filmen, sie ist Teil des Gebäudes – sie hat ihren Sinn und Zweck.

Auch der denkende Verstand ist ein Teil von dir. An ihm ist nichts verkehrt.
Bloß hast du dich möglicherweise mit ihm identifiziert. Dies hat zur Folge, dass du dich von der Außenwelt getrennt siehst und einen inneren Zwiespalt erschaffst. In diesem Zustand ist die Wahrscheinlichkeit leider hoch, dass du Leid, Sorgen und Ängste in dein Leben ziehst.

Dieser Zwiespalt ist es auch, der solchen Fragen zu Grunde liegt wie der Folgenden:
„Wie kann ich mir Ziele setzen und dennoch frei von Gedanken sein? Ist es nicht so, dass sich beides widerspricht?“
Diese Frage ist eine Frage aus der Perspektive des unbeobachteten Verstandes.
Er sagt: „Schau her, was ich für dich leiste! Wozu willst du mich abstoßen? Ich wäre ein großer Verlust, du könntest dir ohne meine Hilfe keine Ziele mehr setzen“.

Doch tatsächlich ist dem denkenden Verstand in diesem Moment nicht bewusst:
Er soll nicht abgestoßen, sondern integriert werden. Er soll Teil des Ganzen werden, weiterhin seinen Zweck erfüllen, bloß darf er dies fortan im Einklang mit dem Ganzen tun.

Schau dir einmal deinen kleinen Finger an der rechten Hand an. Wie soll er wissen, dass er Teil eines Gesamt-Körpers ist?
Er kann es nicht wissen, nur der Gesamtkörper samt Finger kann sich seiner bewusst werden.

Und so ist das darüber Nachdenken auf Ebene des Verstandes zwar manchmal hilfreich, doch die Lösung des Dilemmas kann nicht auf Gedankenebene stattfinden.
Stattdessen ist es eine Erfahrung, die sprichwörtlich über das Denken hinausgeht.

Die Freiheit von Gedanken ist keine Denkaufgabe.

Man könnte es auch so nennen: Es ist eine Verbundenheit mit dem gegenwärtigen Moment.
Das Denken ist dazu nicht in der Lage, die Denkaktivität an sich wird ja genau dadurch erst möglich, dass eine gewisse Trennung mit der Gegenwart stattfindet:
Jeder einzelne Gedanke nimmt sich einen Aspekt aus der Gegenwart heraus (trennt ihn) und verändert ihn.
Jeder Gedanke IST die Veränderung, die du an deiner bewussten Wahrnehmung unternimmst.

Oft nimmt sich ein Gedanke sogar eine ganze Situation vor und erschafft sie in deinem Geiste:
Eine Situation, die mit der gegenwärtigen nichts mehr zu tun hat.

Allerdings ist die Fähigkeit des Verstandes genau das zu tun auch sehr nützlich: Viele Aufgaben im Alltag lassen sich wunderbar mit Hilfe von Gedanken bewältigen.
Ein bewusst werdender Mensch soll seiner Denkfähigkeit überhaupt nicht beraubt werden. Das „Nicht-Denken“, das sich viele Menschen unter Meditation vorstellen, entspringt einem Missverständnis.

Halten wir also einmal gemeinsam fest:

  •  Nicht das Denken an sich, sondern das unbeobachtete Denken ist das Problem.
  • Das Denken soll nicht „gestoppt“, sondern in das bewusste Ganze integriert werden

 

Natürlich kann dir dieser Text diese Erfahrung nicht abnehmen. Er kann dir bloß eine Richtung weisen.
Und auch mir sind viele Wegweiser sehr hilfreich gewesen und sind es auch heute. Doch dabei darf nicht vergessen werden: Ein Wegweiser kann für dich nicht den Weg beschreiten.

 

Wie kann ich also JETZT mehr Bewusstheit erfahren, ohne es bloß auf der Gedankenebene anstellen zu wollen?

Hierfür gibt es unzählige Methoden, viele weise Menschen haben bereits tolle Wege dazu entdeckt.
Du kannst herausfinden, was für dich am besten funktioniert – schließlich führen alle diese Wege zum Eins-Sein, quasi „zum selben Ziel“.

Meditiere. Verbinde dich vor allem auch im Alltag mit deiner Gesamtheit:
An der Haltestelle, in der Bahn oder am Arbeitsplatz, immer wieder ein bewusster Atemzug.

Sage dir z.B.:
Ich erlaube mir jetzt, 2-3 Atemzüge lang nur auf meinen Atem zu achten, und auf nichts weiter.

Nur 2 Atemzüge! Oder wenn du willst, auch nur einen.
Mache dies einige Male und du wirst sofort sehen, wie sich eine gewisse Entspannung und Erleichterung einstellt. Ist es nicht so?

Fange an deinem Atem zu lauschen, und dann spüre deinen Körper.
Wenn du sowohl deinen Atem als auch deinen Körper spüren kannst, dann gehe anschließend dazu über  den Raum der dich umgibt wahrzunehmen.

Du wirst auch bald sehen, dass deine Wahrnehmung sich etwas weitet, sie ist dann nicht mehr bloß auf die Gedanken fixiert. Du wirst ganz genau wissen was gemeint ist mit
„du bist nicht dein Verstand“.
Was ist denn nun mit dem Verstand? Er ist immer noch da, doch es ist jetzt vollkommen anders. Er ist entspannt, du kannst ihn bewusst steuern, aber auch einfach mal loslassen und vor sich hin arbeiten lassen. Es hat sich eine Leichtigkeit in ihm eingestellt, all die Schwere und all die Ernsthaftigkeit rund um das Denken löst sich auf. Das Denken verschwindet also nicht, es wird bloß leicht.

Dies ist der Unterschied vom bewussten zum unbeobachteten Denken:
Das Unbeobachtete ist oft voller Sorgen und Probleme, es hat eine große Schwere in sich.
Das bewusste dagegen erkennt sich  als ein Teil des Ganzen, eine stille und wache Aufmerksamkeit ruht darauf, man könnte auch sagen eine „Ruhe“.

Eine weitere Übung, die du machen kannst, lautet:

Sage dir im Alltag: Alles was jetzt ist, darf jetzt da sein.

Schaue deine Umgebung an  und gebe jedem Gegenstand, jeder Person, die Erlaubnis da zu sein. Auch jeder Situation. Stelle dem „Jetzt“ quasi die „Aufenthaltserlaubnis“ aus.

Klingt ein wenig verrückt, nicht wahr? Doch weißt du was aus meiner Sicht noch viel verrückter ist? Dingen, die bereits da sind, die Erlaubnis zu entziehen. Sie zu verurteilen, zu bewerten, sie „weg haben zu wollen“.
Diese Erlaubnis ist bloß ein wertfreies Beobachten, wenn du so willst, die Erkenntnis dass das was gerade da ist sowieso schon da ist. Übe dich zunächst im Kleinen: „Diese Tasse darf jetzt da sein“
Oder auch „Sie ist wie sie ist“.
Und schaue dann auf etwas größere Objekte: „Dieses Auto darf jetzt da sein“.
Und  gehe auch nach innen: „Dieses Gefühl“ oder „diese Angst darf jetzt da sein“.

Wenn du merkst, dass sich ein gewisser Frieden in dir ausbreitet, und du wacher wirst als zuvor, dann machst du es richtig.
Habe Geduld mit dir, gehe das spielerisch und gelassen an.

Anstatt sich gegen dein Denken zu richten, ändere die Perspektive: Erzeuge in dir Bewusstsein. Ein Bewusstsein, welches das eigene Denken freundlich miteinbezieht.

 

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Kommentare 2

  1. BlueSpark

    Vielen Dank für diesen kostbaren Arrow!

    Als ich gemerkt habe, dass ich „mein Verstand“ bin, wollte ich es nicht wahrhaben. So langsam begriff ich, dass es in meinem Leben kaum eine Zeit, einen Augenblick gibt, an dem ich nicht denke. Dieses Nichtdenken ist unglaublich schwer. Versucht mal – wenn ihr ungeübt seid – 10 Sekunden an nichts zu denken. Ich lese diesen Arrow wieder und immer wieder, und so langsam klappt es, dass ich mitten im Alltag „aufwache“ und merke: „Nanu, wo bin ich, was mach ich hier und warum?“ Dann tauch ich für Sekunden in eine andere Welt und entspanne. Aber ich empfinde es als sehr schwierig, öfter mal „aufzuwachen“. Aber diese Momente kommen immer häufiger. Ich hatte heute nachmittag mal frei und hab es geschafft, ein paar Stunden auf der Couch zu liegen und gar nichts zu tun. Gar nicht so einfach für einen, der sich immer zwanghaft ablenkt, um nicht auf die unangenehmen Gefühle achten zu müssen.

    Weiter so, liebes Arrow-Team,
    BlueSpark

  2. Insanity

    Vielen Dank für den Beitrag. Es ist ja einfach so wahr. Auch das, was mein Vorschreiber hier genannt hat, kann ich vollkommen nachvollziehen.

    Ich glaube, ein ganz wichtiger Aspekt dieses Beitrages ist sich den Gedanken zu stellen. Sie zu beobachten und sich damit auseinanderzusetzen, bei Ängsten erkennen, warum und wofür sie da sind, anstatt vor ihnen wegzulaufen, bringt einen so unglaublich weit.

    Macht weiter so!

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