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Nichts persönlich nehmen

Arthur Innere Freiheit, Kommunikation 1 Comment

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Indem Menschen alles Erdenkliche auf sich beziehen oder persönlich nehmen, stellen sie sich selbst ein Bein. Das Ergebnis sind oft schlechte Gefühle oder innere Stagnation. Die Lösung des Problems ist so naheliegend wie einfach.

Wenn du etwas persönlich nimmst,  dann liegt eine Verwechslung der Ebenen vor. Denn dann verwechselst du ein Verhalten, oder z.B. ein äußeres Merkmal mit dir selbst – also mit dem, was du bist.

Schauen wir uns das einmal genauer an.

Beispielsweise kommt jemand zu spät zu einer Verabredung und wird deswegen kritisiert. Er reagiert beleidigt und defensiv, da er sich angegriffen fühlt. Frage: wirst du tatsächlich angegriffen, wenn jemand Kritik an einem Verhalten von dir übt? Meint er damit tatsächlich dich?

Kann ein Verhalten von dir –  also hier: Das Erscheinen zu einer anderen Uhrzeit als verabredet, etwa gleichbedeutend sein mit dem was du bist?

Kann denn etwa überhaupt irgendein Verhalten mit dem gleichgesetzt werden, was du in deinem tiefsten Inneren bist? Genau das tun nämlich Menschen, die etwas persönlich nehmen. Sie fühlen sich in ihrem Wesenskern angegriffen, in ihrem „Ich“. Dies ist die Verwechslung der Ebenen, die ich meine.

Du bist nicht dein Verhalten.

Unterscheide zwischen den äußeren Ebenen und deiner Sein-Ebene. Dein Sein, also dein innerer Wesenskern, ist nicht das Selbe wie dein Verhalten oder irgendein äußeres Merkmal von dir.

Vielleicht hast du diese Tatsache nur bisher nicht genau genug betrachtet. Deine Verhaltensweisen unterliegen einem ständigen Wandel, sie kommen und gehen. Ok, vielleicht mag der eine oder andere auch heute noch in seiner Nase bohren, so wie er es schon als Kind getan hat. Im Wesentlichen ist es doch aber so, dass du Verhaltensweisen abgelegt und neu hinzugewonnen hast – Verhaltensweisen kommen und gehen. Du aber bist die ganze Zeit hier gewesen Du bist nicht das Selbe wie dein Verhalten, und genauso verhält es sich mit jeglichen äußeren Merkmalen.

Schaue nach innen. Erkenne: Das, was da schaut, die wache innere Präsenz in dir, ist frei von äußeren Merkmalen. Sie ist das was du bist, und sie kann durch keine Form von Kritik jemals gemeint sein.

Kritik bezieht sich stets auf etwas, was außerhalb deiner Seinsebene liegt.

Jede Form von Kritik meint immer nur etwas Äußeres, etwas sich Wandelndes und Vergängliches. Wenn du Kritik nicht persönlich nimmst, also nicht auf das beziehst was du bist, dann ist es nicht mehr notwendig, sich gegen diese zu wehren. Du kannst sie dann produktiv für dich nutzen. Höre ganz entspannt zu, wenn jemand dich kritisiert. Erkenne, dass er überhaupt nicht „dich“ kritisiert, was kritisiert er genau? Versuche herauszufinden: Ist das für mich nützlich? Möchte ich das was er meint verändern, und was bringt mir das? Bedanke dich für jede Kritik, denn eine jede kann dir von Nutzen sein.

Es gibt nichts zu verteidigen, da hier nichts angegriffen werden kann.

Vielleicht denkst du jetzt etwas Ähnliches wie:
Wirklich? Aber was ist, wenn jemand tatsächlich die Absicht hat mich anzugreifen?  Was ist, wenn jemand das konstruktive Niveau einer ehrlich gemeinten Kritik überschreitet?

Auch und insbesondere Angriffe brauchst du nicht persönlich zu nehmen. Denn auch diese können niemals deine Seinsebene berühren. Die Tiefe dieser Erkenntnis erschließt sich dir, sobald du dich der eigenen Seinsebene öffnest und selbst mit ihr in Kontakt trittst. Gehe nach innen, und erkenne dich selbst als eine stille, wache Aufmerksamkeit – etwas, was jenseits deiner Erscheinungsform liegt. Du könntest beispielsweise einmal damit anfangen, deine Erscheinungsform zu beobachten und folgende Festetellung machen: Der Beobachter kann nicht dasselbe Sein, wie das Objekt, das beobachtet wird. Sinne einmal darüber nach. Klingt das für dich logisch? Alles was du beoabachten kannst, bist nicht du. Es mag sein dass es zu dir gehört, doch es ist dadurch noch lange nicht mit dem gleichzusetzen, was du bist.

Jeder Angriff richtet sich stets jedoch nur auf das Bild, welches sich jemand von dir gemacht hat. Auch dieses Bild ist nicht dasselbe wie das, was du in deinem tiefen Inneren bist. Es ist im Kopf des Angreifenden entsanden. Du brauchst demjenigen also nicht dabei zu helfen, es als wahr zu betrachten indem du es verteidigst. Möglicherweise findest du eine Möglichkeit, um denjenigen auf das selbst konstruierte Bild aufmerksam zu machen und hilfst ihm damit sogar dabei, es abzulegen? Welche Möglichkeiten fallen dir ein, um dies zu tun?

Eine gute Voraussetzung um Konflikten aus dem Weg zu gehen und diese nicht zu verschärfen, ist die genannte Verwechslung der Ebenen zu vermeiden. Diese liegt einem jeden Konflikt stets zu Grunde. Erst wenn du diese Verwechslung bei dir selbst innerlich unterbindest, erst dann versetzt du dich in die Lage, um auch anderen gegebenfalls dabei zu helfen.

 

(Bild von abbybatchelder)

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Kommentare 1

  1. Bernhard

    Ganz kurz: wie immer ein wunderbarer Text – vielen Dank dafür !

    Es hilft ungemein dabei, eine Lockerheit im Leben zu gewinnen, wenn man diese Sichtweise von verschiedenen Ebenen dazu benutzt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sehr man doch die freie Wahl hat, seine eigenen Emotionen zu kontrollieren (persönlich nehmen -> negative Emotionen, nicht persönlich nehmen -> Lockerheit). Man betrachtet das Leben selbst aus einem viel größeren Kontext. Schwierig in Worte zu fassen, aber dieses Bild mit den Ebenen ist ein sehr Gutes !

    Auch gut, dass ihr den Punkt mit der Wahrnehmung erwähnt – jeder Mensch hat seine eigene – inwiefern macht es dann noch groß Sinn, die Aussagen anderer persönlich zu nehmen ? Wenn man wie immer von dem großen Ganzen ausgeht – das wirkliche ich wollen wir in keinster Weise einer Einschränkung unterwerfen, es absolut durch Worte begreifbar machen, beobachtbar (quantifizierbar) – dies würde wohl dem Ganzen nicht gerecht werden.

    Oft vergesse ich, wie großartig doch das Leben an sich ist. Ein Text wie dieser hilft mir wieder mich daran zu erinnern. Es hilft mir mich daran zu erinnern, wie belanglos doch die scheinbar von ‚außen induzierten negativen Einflüsse‘ eigentlich sind. Ich habe eben einfach nur die Ebenen verwechselt 😉
    Und selbst negative Emotionen müssen an sich nichts schlechtes sein, ich habe ja selbst die Wahl, wie ich etwas bewerte 🙂

    Liebe Grüße

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