dr baum

Nomen est Omen

Phil Flirt & Beziehung, Kommunikation 2 Comments

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Ein Blick in diverse Beziehungsforen hat mir eben gereicht, um mich dem Thema Nominalisierungen zu widmen, und besonders Themen anzuvisieren, wie zum Beispiel:
„nach intensiver Beziehung“ , „Partnerin mit schwerer Vergangenheit“ , oder „Über Beziehung reden“, oder Themen in anderen diversen Foren für Persönlichkeitsentwicklung wie zum Beispiel „Wie werde ich Erfolg haben“ „Wer bin ich?“ und so weiter .

Wenn du vielleicht selbst in einem dieser Foren bist , und vielleicht einer der Verfasser solcher Themen bist, dann kommst du früher oder später zu der Einsicht, spätestens wenn einer der geübteren und bekannteren Mitglieder die Empfehlung ausspricht mit den Worten „nicht reden, sondern handeln“, dass jeder der Mitglieder mehr oder weniger verschiedene Sichten auf dein eigentliches Problem hat.

Letztlich wirst du feststellen, dass es wohl darum geht, etwas „richtig“ zu tun, als darüber zu reden, und irgendwann, spätestens wenn du dich tiefgründig mit dem Geist beschäftigst, oder vielleicht Bücher von Eckhart Tolle, oder anderer großen Lehrer wie Osho, oder Krishnamurti gelesen haben wirst, kommt die Erkenntnis, dass der Verstand , oder besser die Identifikation mit dem Verstand uns Menschen in einer Begriffswelt leben lässt.
Wir neigen dazu in der Annahme zu leben, dass der andere meine Begriffswelt doch genauso verstehen müsste, wie ich.
Und wenn ich doch davon überzeugt bin, dass eine Beziehung mit mir doch super und ergiebig sei, dann kann ich das doch meinem potentiellen Partner frei von der Leber weg offenbaren, während wir uns beim ersten Date unterhalten. Irgendwie werde ich ihn doch überzeugen können, wirst du vielleicht denken.
Schliesslich hast du so eine Vorgehensweise schon oft im Fernsehen, Klatschblatt , oder Kino als eine erfolgreiche Strategie erlebt, auch wenn du wahrscheinlich noch nie wirklich Erfolg damit gehabt hast.

Glücklich ist der, der ein Symptom hat, denn er verlässt den Pfad seiner Selbstverleugnung und geht die Dinge an.

Bitte verinnerliche zunächst dieses etwas freie Zitat von Erich Fromm, und fühle dich hier beim Lesen gut aufgehoben!

Eine der für mich wirksamsten Lebenseinstellungen ist die Annahme, dass ein Mensch immer perfekt funktioniert und stets die beste Wahl auf der Grundlage der für ihn verfügbaren Informationen trifft.

Damit lässt es sich ganz gut leben, findest du nicht auch?

Dennoch geht es mir hier darum ein bisschen Licht ins dunkel deiner inneren Welt zu bringen, denn die nächste Lebenseinstellung, die ich hier einfliessen lassen möchte ist,
dass Menschen auf ihre subjektive Abbildung der Wirklichkeit und nicht auf die äußere Realität reagieren.
Das kann zunächst einmal für ein Fragezeichen über deinem Kopf sorgen, aber diese Sicht auf die Welt bietet in der Interaktion mit Menschen Vorteile, und eröffnet tiefere Perspektiven.

Für mich ergibt sich daraus zwangsläufig eine wichtige Frage, die ich hier stellen möchte.

Jeder Mensch und das Abbild seiner Welt ist so individuell wie sein Fingerabdruck, was also macht andere Menschen glaubend, dass ein Ratschlag je etwas nützen könnte?

Wie lässt sich das überprüfen, und was macht den Ratgeber so sicher, dass sein Ratschlag, basierend auf seiner individuellen Erfahrung , universelle Gültigkeit haben könnte?

Der Verstand ist ein nützlicher Diener, indem er Prozesse des Handelns katalogisiert und diese dann zu einem Wort zusammenfasst, um anschliessend wieder darauf zurückgreifen zu können. durch die Identifikation mit diesen Worten jedoch, und der Verknüpfung mit einem Gefühl, ist dieses Verstandespaket anschliessend nicht mehr wirklich in der Interaktion mit anderen nützlich, denn die Erlebniswelt des anderen kann niemals identisch mit der deinen sein.

Ist das noch zu schwer, oder wird es bereits einfacher?

Du kannst es dir wie ein Bild einer Eiche vorstellen, ein Bild im „Jpg Format“.

Du schaust dir das Bild an, erinnerst dich an schöne Erlebnisse in deiner Kindheit, wie du mit deinem Vater ein Baumhaus bautest, riechst eventuell ihre Blätter, fühlst noch den Wind in deinen Haaren, schmeckst den Geschmack des Holzes.

Dann zipst du dieses Eiche.jpg Bild und nennst diese Datei „Baum.zip“

Eines Tages gehst du mit deinem Partner eine Alee entlang, und sagst : „sieh mal Schatz, ist das nicht ein schöner Baum.zip?

Deine Angebete, oder dein Freund verzieht das Gesicht, entpackt die Datei Baum.zip, und sieht eine Kastanie.bmp, von der sie /er als kleines Kind gefallen ist und sich den Oberschenkel gebrochen hat.

Die sinnliche Konkretisierung möchte ich dir in diesem Beispiel ersparen..

Nomen est Omen, der Baum als Beispiel ist hier noch ganz schlüssig und nachvollziehbar, wie ist es jedoch mit Liebe, wie ist es mit Respekt,und wie mit der Beziehung?

Wie kommen Menschen dazu Respekt von ihren Partnern oder Freunden einzufordern, wenn die Art und Weise an sich Respekt einzufordern , respektlos ist?

Wie erkenne ich eine Nominalisierung?

Die Frage ist berechtigt und die Antwort nicht wirklich schwer nachzuvollziehen.

Frage dich zunächst, was du in eine Schubkarre legen kannst!

Eventuell bist du gerade so ein Schlaumeier, dass du jetzt denkst, dass man einen Elephanten nicht in eine Schubkarre stecken kann, also nimm statt einer Schubkarre zum Beispiel einen Hangar!

Kannst du Liebe in einen Hangar stellen? Nein, wahrscheinlich gibst du mir Recht, wenn das nicht funktioniert.

Kannst du eine Beziehung in eine Schubkarre legen? Nein auch das geht nicht, wirst du wahrscheinlich denken.

Kannst du Erfolg, Kariere, Reichtum, Glück in einen Hangar stellen? Nein auch das geht nicht.

Wenn wir uns also mit der Definition von Nominalisierungen befassen, dann repräsentieren Nominalisierungen einen Prozeß in einer sprachlichen Form, die der Form ähnelt, mit der Objekte bezeichnet werden.

Nominalisierung ist der sprachliche Prozeß, in dem ein Prozeßwort oder Verb durch einen komplexen Transformationsprozeß in ein Ereignis oder einen Gegenstand verwandelt wird.

Du kannst also davon ausgehen, dass Liebe, Respekt, und eine Beziehung niemals gedanklich wirksam sind, sondern ein aktiver Prozess sind, der allerdings immer (individuell) bewertbar bleibt, und mit einem Gefühl verbunden ist, welches ebenfalls individuell intensiv ist.

Jetzt dämmert es dir eventuell, dass es nichts half deinem Partner zu sagen „ich liebe dich“, wenn du sonst immer faul auf der Couch herumgehangen bist, als sie oder er damals den Entschluss gefasst hat, die Beziehung zu beenden.
Schlimmer noch, du hast mit den Worten „ich liebe dich“ einen aktiven Prozess , oder in diesem Fall besser einen inaktiven Prozess beschrieben, nämlich „herumhängen auf der Couch“ ihn gezipt und ihn bei deinem Partner verankert.

Wüsstest du was du da tust, hättest du es eventuell nicht getan.
Wie kannst du also mit Nominalisierungen umgehen, wenn du sie als solche erkannt hast? (wovon ich überzeugt bin, dass du es wirst)

Denke zunächst an den Zip Prozess, es hilft wenig in der Kommunikation und Interaktion mit deinem Gegenüber, wenn du viel in deiner „zip Sprache“ repräsentierst.

Da eine Nominalisierung immer unkonkret ist und zudem sehr verzerrt und getilgt (du erinnerst dich an die Baumgeschichte) kannst du dich gerne mit dir selbst auseinander setzen,
und deine Nominalisierungen beleuchten.

Nominalisierung sind in sich gezipt, also hilft es dir die Erfahrungsebenen zu entpacken, und wie kannst du das am besten bewerkstelligen? – durch das Hinterfragen.

Nimm dir dabei meine Lieblingseinstellung zur Hilfe:

DAS WIE IST IMMER WICHTIGER ALS DAS WAS!

Nimm zum Beispiel das Wort „Respekt“

Stell dir folgende Fragen und schreibe sie ruhig in der Reihenfolge auf:

[dropcap2]1[/dropcap2]Was verstehe ich unter Respekt?

 

[dropcap2]2[/dropcap2]Was tue ich und wie tue ich es, damit ich mich und andere respektiere?

 

[dropcap2]3[/dropcap2]Was tue ich und wie tue ich es, damit mich meine Umwelt respektiert?

 

[dropcap2]4[/dropcap2]Wie reagiert meine Umwelt auf mich, wenn ich respektvoll handle?

 

[dropcap2]5[/dropcap2]Wann genau habe ich zuletzt respektvoll gehandelt?

 

[dropcap2]6[/dropcap2]Wie ist das Gefühl, wenn ich Respekt empfinde?

 

 

Schreibe deine Antworten darunter.

Ich bin mir sicher, dass sich für dich aus diesen Fragen noch mehrere Fragen und Einsichten ergeben werden!
Jeder Mensch hat alle Ressourcen bereits in sich, die er braucht, damit er ein zufriedenes Leben führen kann, deshalb bin ich mir sicher, dass auch du deine Nominalisierungen durchschauen, und sie nützlich und kunstvoll einsetzen wirst!

Sollte es dir dennoch schwer fallen, diese Fragen zu beantworten, dann lass dir Zeit, und frage dich:

Wie werde ich am nächsten Morgen Antworten auf diese Fragen erfahren haben, nachdem ich aufgewacht bin?

Zum Abschluss fällt mir ein Kommentar eines meiner Freunde ein, der selbst angefangen hat, sich mit sich seinen Nominalisierungen zu befassen. Er sagte wortwörtlich „Oh mein Gott“

Nur, was hat das Ganze mit Gott zu tun?

Kannst du Gott in eine Schubkarre legen, oder vielleicht einen Hangar, oder in ein Buch?

Blasphemie!!!!!

Kannst du Blasphemie in eine Flasche füllen??

Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen und nicht umgekehrt.

Müssten wir dann nicht Götter sein?

Wie wirst du erkannt haben, dass du wie Gott bist?

 

 

(bild von Ray of Hope )

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Kommentare 2

  1. Ben

    Wundervoll in Worte gefasst, sehr begreifbar!
    Hätte ich schwer so wunderschön und plastisch erklären können.

  2. Post
    Author

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