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Quo Vadis, Erdling?

Phil Innere Freiheit Leave a Comment

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Es ist schon so viel zu der aktuellen Flüchtlingssituation gesagt worden, daß ich zunächst gar keinen Beitrag mehr darüber verfassen wollte, doch immer mehr Leser haben mich angeschrieben und mich um Ratschlag gebeten, mir ihre Ängste mitgeteilt, und mich um Einschätzung gebeten, wie sich die Geschichte noch entwickeln wird.

Ich persönlich bin 1982 mit meinen Eltern aus Tschechien geflüchtet, wurde im Alter von 11 Jahren vor vollendete Tatsachen gestellt, die bedeuteten, ab sofort in einem fremden Land leben zu müssen, und alles aufzugeben, was mir mein Leben bis dahin bedeutet hat. Trotzdem war es für mich relativ normal mich anzupassen, die Sprache zu lernen und neue Freunde und Kollegen zu finden.
Es war deshalb relativ leicht, da ich Unterstützung bekam, ich in der Schule bis auf einige Ausnahmen als vollwertig angesehen worden bin, und im Mannschaftssport konnte ich mich ebenfalls akklimatisieren und mich vollständig integrieren.

Ausschlaggebend war für mich die Hilfsbereitschaft und die Akzeptanz von außen, sowie meine Bereitschaft Änderungen in meinem Leben vorzunehmen. Zudem wuchs ich in einer Familie auf, die offen für Neues war, und sich nicht abgeschottet hat. Die also ebenfalls um Integration bemüht war.
Rückblickend läßt sich also sagen, daß sowohl meine Flexibilität, wie auch die Flexibilität meines Umfeldes dafür gesorgt hat, daß ich problemlos ein Teil meiner neuen Heimat geworden bin.

Vielleicht fragst du dich, wie sich die Dinge heute entwickeln werden.
Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht, denn ich denke, jeder Mensch hat es selbst in der Hand wie sich die Dinge für ihn persönlich entwickeln.

Daher glaube ich, daß der Ausgang noch offen ist. Offen für eine Gestaltung in eine Richtung ,die Wachstum bedeuten kann, oder eben Stagnation.

Klingt vielleicht im Angesicht des Gefühls, vor vollendeten Tatsachen zu stehen, und den politischen Entscheidungen nicht folgen zu können , erst einmal platt und hört sich als „ leicht gesagt“ an, dennoch hat jeder Mensch, ob er will oder nicht , in der Interaktion mit anderen Menschen immer als ein Teil des Gesamtsystems sehr viel Macht, um die Geschehnisse durch sein Verhalten zu beeinflussen.

Ich persönlich glaube in jeder Situation, daß Angst wirklich ein schlechter Ratgeber ist. Zudem glaube ich, daß ein mentaler Widerstand, der durch Angst verursacht wird immer dazu führt, daß sich die Dinge, vor denen man Angst hat auch bewahrheiten.
Wenn du also Angst hast, daß die Kollegen aus Syrien und Umfeld hierher kommen und sich in Europa radikalisieren, wird dein Verhalten vermutlich dazu führen, daß dies so passieren wird. Du wirst innerlich und äußerlich einen Widerstand aufbauen und resistent gegenüber Andersartigkeit, und diese künstliche Trennung , die du damit auf deiner Seite erschaffst, wird den Neuankömmlingen keine Wahl lassen, als sich „nicht angenommen“ zu fühlen, was gleichzeitig bedeutet, daß sich diese Menschen abschotten werden und Unterstützung eben woanders suchen.

Es ist keine Frage, daß ein Mensch in seiner Flüchtlingssituation Hilfe und Unterstützung dringend benötigt. Die Frage ist, wo er sie bekommt. Ich wünsche mir , daß du derjenige bist, der ihm hilft, sich in unserem Land wohl zu fühlen, als daß der Weg eines geflüchteten Menschen direkt in die Arme der nächst besten radikalisierenden Salafisten führt, und sich wiederum seine selbsterfüllende Prophezeiung bewahrheitet, daß Du ein Ungläubiger bist der sich als solcher auch benimmt und alles zurückbekommt, was du ihm angetan hast.

Das wäre „worst Case“. Eine Trennung im eigenen Land, wo die Menschen ihre Werte und Gegensätze verhärten , so daß eine Annäherung immer unmöglicher wird.

Wie immer ist es der beste Weg, Dinge, die man nicht ändern kann, zu akzeptieren.

Es ist nun mal so, daß wir eine Menge Neuankömmlinge in unserem Land aufnehmen werden. Das ist Fakt, das ist nicht mehr änderbar.
Genauso ist es aber ein gesundes Merkmal eines authentischen Menschen, in der Lage zu sein „Nein“ zu sagen und zu signalisieren, wo die eigenen persönlichen Grenzen sind.

Ein Mensch möchte sich genauso gerne in seiner Angst vor dem Unbekannten angenommen fühlen und nicht das Gefühl zu haben alleine zu sein mit den Herausforderungen die ihm begegnen.
Eine Klientin hat mir dies schön veranschaulicht, indem sie sagte, daß sie auf ihrer Weide auch nicht mehr Pferde als zwei halten kann, weil jedes neue Pferd, welches sie zusätzlich aufnähme, den Hungertod aller Pferde bedeuten würde.
Ein Land wie Deutschland ist bei Leibe nicht groß genug, wie zb USA, die bereit sind ein 1/10 der flüchtenden Menschen aufzunehmen, wie Deutschland es bereits mit 800.000 Menschen tut.

Trotz all dieser Fakten, wie fühle mich, wenn ich sehe, wie sich hilfsbereite Menschen regelrecht aufopfern, und Neuankömmlinge mit dem Allernötigsten versorgen?

Wie fühlst Du dich ?

Ich bin ergriffen, und ich habe Tränen in den Augen. Ich habe Respekt vor der Hilfsbereitschaft, die durch unser Land geht, und ich sehe , daß es niemanden arm macht , wenn er gibt, im Gegenteil.

Vielleicht ist es wirklich so, daß wir vor einer neuen Epoche stehen, und daß wir alle näher zusammenrücken , aber wir sind nun mal Erdlinge und wir wollen uns verändern, wir wollen den Dingen mit Herz und Liebe begegnen.
Ich zumindest will das , ich wünsche mir, daß wir alle aufwachen und nicht Epoche für Epoche die selben Fehler wiederholen. Ich sehe diese Herausforderungen , die auf uns alle kommen als eine Chance.

Ich wünsche mir , daß du deiner Intuition folgst und dein Herz sprechen läßt.Phil
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