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Schuld sind immer die Anderen

Phil Innere Freiheit, Veränderungen & Herausforderungen Leave a Comment

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Ich glaube, dass es bis auf wenige Ausnahmen keinen einzigen Menschen auf der Welt gibt, der sich nicht schon einmal als Opfer von widrigen Umständen gesehen hat.

Tatsächlich verläuft das Leben nicht immer nach Plan, der Eine oder Andere hat gerade eben einen Job verloren, einen guten Freund oder Freundin, oder hat eben eine Beziehung in den Sand gefahren. In solchen Momenten kann es uns passieren, dass wir uns enttäuscht , deprimiert und machtlos fühlen, wir hadern mit dem Schicksal, dem lieben Gott, und um unser Gefühlsleben sieht es vermeintlich alles andere als rosig aus.

Wir können es uns oft nicht aussuchen, wie andere mit uns umgehen, und die Situationen, die zu unserem Unglück führen sind manchmal nicht vorhersehbar. Dennoch wissen wohl die Wenigsten. dass wir  immer eine Wahl haben, wie wir mit diesen Situationen umgehen, und wie wir uns aus dieser Opferrolle befreien können.

Hast du dich schon einmal gefragt, weshalb du tagelang mies gelaunt sein musst, wenn dir jemand übel mitgespielt hat? Wenn jemand nur eine dumme Bemerkung gemacht hat, und du tagelang zuhause grübelst und Rachepläne schmiedest?

Es war George Orwell, der gesagt hat, dass Rache sauer sei, und nicht süß. Tatsächlich befreien wir uns nicht wirklich von unseren Schuldgefühlen, wenn Rache die erste Strategie ist, auf die wir zurückgreifen müssen. An dieser Stelle möchte ich gerne Paul Watzlawick zitieren, aus seinem Buch ´Anleitung zum Unglücklichsein´:

„Strenggenommen gibt es so etwas wie Vergeltung oder Rache gar nicht. Rache ist eine Handlung, die man begehen möchte, wenn und weil man machtlos ist. Sobald aber dieses Ohnmachtsgefühl des Unvermögens beseitigt ist, schwindet auch der Wunsch nach Rache.“

Aus dieser Einsicht heraus lässt sich die eigene Haltung gegenüber Menschen, die sich an anderen rächen, sehr gut verändern. Jemand der unter dem Gefühl der Ohnmacht und 0,0 alternativem Handlungsspielraum leidet, verdient mein Mitgefühl, und keine Verachtung. Ausserdem verschwimmt hier auch die Grenze zwischen Opfer und Täter, und im Kern impliziert dies die allerhöchste Einsicht:

Leid ist freiwillig.

Das klingt gerade ziemlich ernüchternd, und für den einen oder anderen bestimmt mehr als zynisch, denn im Angesicht dessen, dass niemand wirklich gerne leidet, klingt dieser Satz so, als hätte man wirklich eine Wahl, wenn man glaubt in bestimmten Situationen leiden zu müssen.

Bingo – mit genau dieser inneren Einstellung , in bestimmten Situationen leiden zu müssen, begeben wir uns in die Opferrolle. Von diesem Aspekt aus ist es nicht mehr sehr weit zu erkennen, dass es grundsätzlich erleichternd sein kann, in bestimmten Situationen eine Wahlmöglichkeit zu haben, wie wir auf sie reagieren. Psychologisch betrachtet impliziert die Tatsache, dass wir nur eine einzige Wahlmöglichkeit haben , einen inneren Zwang.

Das Gefühl der Machtlosigkeit resultiert genau aus dieser inneren Haltung. Aber wer zwingt uns denn, uns als ein Schwächling zu fühlen? Wer zwingt uns denn die Schuld für das Ende einer desaströsen Beziehung auf uns zu nehmen? Wir allein, niemand sonst. Wir sind es vermutlich gewohnt die Schuld auf uns zu laden, ja, aber die Wahl zu haben Anschuldigungen auf uns zu beziehen, oder nicht zu beziehen, das haben wir in dem Fall nicht gelernt.

Viktor Frankl, ein österreichischer Neurologe und Psychiater, und  Begründer der Logotherapie beschreibt in Buch „Trotzdem ´Ja´zum Leben sagen“sein Erleben im KZ mit folgenden Worten:

„Wir, die wir im Konzentrationslager lebten, erinnern uns an Menschen, die anderen geholfen haben, die ihr letztes Stück Brot mit anderen teilten. Wenn es auch nicht viele waren, so sind diese wenigen Menschen doch der Beweis dafür, daß man einem Menschen alles nehmen kann, bis auf eines, nämlich die letzte aller menschlichen Freiheiten, die Freiheit, in jeder Situation seine Einstellung zu wählen.“

Sobald wir mehr als eine Wahlmöglichkeit haben, auf eine Situation reagieren zu können, beginnen wir langsam Schritt für Schritt zu erkennen, dass wir Verantwortung für unser Erleben übernehmen, und die Wahlmöglichkeiten fangen an, uns zu befreien. Im Umkehrschluss ist es genauso nachvollziehbar, dass wir Macht abgeben, wenn wir Andere für unser eigenes Unglück verantwortlich machen.

Diese Macht wird langfristig unser Selbstwertgefühl stärken, denn durch die Übernahme der Verantwortung für das eigene Erleben brauchen Andere wiederrum unsere Erlaubnis uns zu fühlen, wie uns der andere dies gerne glaubhaft machen möchte. Ohne unsere Erlaubnis kann uns niemand glaubhaft machen, wir seien minderwertig, und ohne unsere Erlaubnis kann uns keiner mehr demütigen und kränken.

Dennoch kann die Opferrolle strategisch  auch ihre Vorteile haben. Der Mensch geht bekanntlich den Weg des geringsten Widerstandes. Es ist bequem, Andere für unser Unglück verantwortlich zu machen, dabei kann man die Hände in den Schoß legen und die vermeintlichen Täter anschuldigen. Wir bekommen Zuwendung von Mitleid und Trost, und können uns selbst bemitleiden, was uns kurzfristig ein Gefühl der Genugtuung verschafft. Wir können uns moralisch überlegen fühlen und mit dem Finger auf andere zeigen, die ach so böse sind. Und zuguterletzt hat man als Opfer auch das Recht auf Entschädigung. Die anderen schulden uns etwas. Wir müssen nichts verändern und dennoch einen Gewinn einfahren.

All diese Gewinne sind dennoch nur kurzfristig. Langfristig sind wir nur der Spielball der Umstände, anstatt die Umstände aktiv selbst zu erschaffen und zu steuern.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es grundsätzlich befreiend ist, mehrere mentale Alternativen zu kennen, wie wir auf Situationen, in den wir uns als Opfer fühlen, reagieren können.

Folgende Fragen können hierbei hilfreich sein:

 

  1. Wie kann ich sonst noch mit der Situation umgehen?
  2. Wo ist für mich der größere Nutzen, den ich jetzt vielleicht noch nicht erkennen kann?
  3. Welche Tür geht auf, wenn sich eine andere schliesst?
  4. Welche Vorteile hat es Verantwortung für sein Erleben zu übernehmen?
  5. Was würde sich weltweit verbessern, wenn alle selbstverantwortlich wären?
  6. Wie lässt sich der Kreislauf zwischen Opfer/Täter unterbrechen?

 

Schreibe dir diese Fragen auf und gehe sie eine nach der anderen durch, wenn du wieder einmal in einer Situation steckst, in der es vermeintlich keine Wahl gibt, wie du dich fühlen kannst!

Abschliessen möchte ich mit einem freien Zitat von Buddha:

Wütend und voller Hass auf andere zu sein ist wie ein Gift zu trinken und hoffen, dass der Andere dadurch sterben wird – nicht wirklich intelligent..

 

(Bild von Nunodantas)

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