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Wegrennen: Wieso erledige ich nicht was ich möchte?

Arthur Ziele & Selbstverwirklichung 1 Comment

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Es gibt viele Bücher und Strategien über Motivation. Es ist das Lieblingsthema der Coaches und Berater. Doch viele Strategien mit solchen Namen wie „der fünf Punkte Plan“ gehen meiner Meinung nach nicht genügend in die Tiefe.

Schauen wir uns gemeinsam an, welches Muster da ist, wenn du dir etwas zu tun vornimmst und es dann nicht erledigst.

Sobald der Zeitpunkt da ist um ins Handeln zu kommen, denkt sich dein Verstand alle möglichen Alternativen aus. Es fällt ihm immer etwas ein. Er sagt dir z.B., dass du ja jetzt noch einmal kurz bei Facebook vorbeischauen könntest und dann hängst du dort möglicherweise für eine Stunde herum, und merkst es erst nachher. Das was du dir vorgenommen hattest, ist aber unerledigt geblieben.

Du hast da ein unbewusstes Programm laufen.
Dieses Programm könnte sich zusammenfassen in einem Wort: „Wegrennen“.
Du rennst weg, du lenkst dich ständig ab und fokussierst dich immer auf das Nächste,
nur nicht auf das was du wirklich willst.
Du rennst also weg – aber vor was rennst du weg?

Höre in dich hinein, die einfache Antwort lautet: Vor dir selbst.

Die meisten Menschen tun es. Die meisten Menschen rennen täglich vor sich selbst davon – nur auf sehr unterschiedliche Arten und Weisen.
Manche flüchten sich in Computerspiele, andere räumen wie verrückt die schon längst saubere Wohnung auf, wieder andere müssen zwanghaft telefonieren oder chatten, und die nächsten verfallen einer anderen Sorte von Sucht oder zwanghaftem Verhalten.
Alles kann zum Wegrennen vor sich selbst verwendet werden, auch das andere Geschlecht.

Menschen tun alles Mögliche um sich abzulenken, und das was sie dabei am meisten vermeiden wollen ist: Mit sich selbst alleine zu sein.

Dieses innere Programm der „Ablenkung“ gewinnt über alle Motivationsstrategien.
Dabei ist es dann egal wie oft du dir etwas vornimmst oder welchen cleveren Motivationsplan du dir angelesen hast, dieses Programm des Wegrennens gewinnt.

Der Grund dafür dass wir Menschen vor uns selbst wegrennen lautet:
Uns wurde oft gesagt und noch öfter indirekt gezeigt dass wir nicht liebenswert sind.
Für die kleinsten und unbedeutendsten Fehler wurden wir mit dem Entzug von Liebe und Aufmerksamkeit bestraft, wir wurden für solche Kleinigkeiten verurteilt, dass wir einen Riesenschiss vor größeren Fehlern bekommen haben.

Da wir so viel Aberkennung erfahren haben, dachte unser Unterbewusstsein allmählich: „Mit mir muss ja etwas nicht stimmen“.
Der Gedanke, dass wir so in Ordnung sind wie wir sind, ist uns fremd geworden.
Wir haben Angst bekommen, Angst vor uns selbst.

Diese Programmierung geschieht noch immer überall um dich herum – wenn du deine Augen dafür öffnest, dann siehst du sie.
Lehrer, Pfarrer, die Medien, ja manchmal sogar die eigenen Eltern und die engsten Freunde – sie alle zeigen dir dass du nicht so in Ordnung bist wie du bist, dass du zuerst etwas leisten musst und dich anstrengen musst. Liebe und Aufmerksamkeit wird an Bedingungen geknüpft,
unsere gesamte Art miteinander zu kommunizieren enthält viele Muster dieser subtilen „Bedingungen und Belohnungen.“
Doch alle diese Menschen die so mit dir kommunizieren, tragen selbst keine Schuld.
Denn sie selbst wissen es nicht besser und wurden ihrerseits von der Elterngeneration dahingehend konditioniert.

Der erste wichtige Schritt lautet in meinen Augen zu erkennen, was da vor sich geht.
Erkenne, wovor du wegrennst. Erkenne, dass dir Angst eingejagt wurde, Angst vor dir selbst.
Du hast dieses Muster unbewusst übernommen, und jetzt handelst du danach.

Da ist etwas in dir, was sich selbst nicht liebenswert genug hält, was sich selbst nicht den größtmöglichen Erfolg wünscht.

Das ist der wahre Grund weshalb du dich ablenkst: Oft ist das mit dem du dich ablenkst nämlich keineswegs interessanter oder wichtiger. Ganz im Gegenteil: Du wählst unbewusst extra das Unwichtigere, da du dir selbst nicht den größtmöglichen Erfolg gönnst.

Du tust es, da du nicht in der Lage bist dich innerlich zu loben und dir selbst mit allen Fasern deines Körpers zu signalisieren:

„So wie ich bin bin ich vollkommen in Ordnung! Ich liebe mich und akzeptiere mich –und ich wünsche mir selbst den größtmöglichen Erfolg. Alles was ich für mich tue mache ich zum Geschenk an mich selbst, zum Ausdruck meiner Selbstliebe!“

Lies diese Aussage langsam nochmal und spüre in dich hinein. Wie geht es dir mit damit?Je fremder und seltsamer sie dir vorkommt, desto weiter bist du von einem Zustand der bedingungslosen Selbstliebe entfernt.

Doch genau das ist der Kern einer echten Motivation. Wahre Motivation entspringt aus einem Zustand der inneren Selbstliebe. Wenn du dir Ziele aus einem Zustand der bedingungslosen Selbstliebe heraus setzt, dann sind es solche Ziele die mit diesem Zustand in Resonanz liegen.
Es sind dann solche Ziele, die dich innerlich vor Leidenschaft fast platzen lassen und die dein Herz tanzen lassen, wenn du auch nur daran denkst.

Und wenn du früh morgens die Augen aufmachst, dann kannst du dich fast gar nicht mehr halten endlich loszulegen, alles andere und all die Ablenkungsmöglichkeiten werden dir egal. Denn du visualisierst den Endzustand der Erreichung dieses Zieles und gönnst dir diesen Zustand vom Herzen.

Du siehst deine Erledigung vor deinem inneren Auge, du stellst dir vor es wäre bereits erledigt – du freust dich über dieses Ergebnis, vervielfachst dieses Gefühl der Freude und gehst ans Werk.

Das ist dir deshalb so einfach möglich, weil du es dir tief innerlich selbst gönnst.

Du gönnst dir diesen Zustand vom Herzen und mit jeder Faser deines Seins, weil es keinen Menschen auf der Welt gibt der dich so entzückt wie du selbst. Mit niemandem teilst du so viel pure Lebensfreude und so viel Leidenschaft
Noch genauer: Du bist diese Leidenschaft und diese Lebensfreude, du bist nicht getrennt von ihr. Du knüpfst an diesen Zustand keine Bedingungen, so wie die anderen es meistens tun.

Ich hoffe ich konnte dir einen Geschmack davon vermitteln, dass in dir selbst ein kleiner Schatz liegt der entdeckt werden möchte.
Du merkst es, falls jetzt während du das liest ein gewisses Gefühl der Energie und Lebensfreude in dir aufgestiegen ist. Dieser Schatz in dir möchte dass du Kontakt zu ihm aufnimmst.

Und ich garantiere dir: Wenn du lernst diesen Kontakt aufrecht zu erhalten,
dann wirst du mit einer ganz anderen Frequenz an deine Erledigungen gehen.

Es wird eine völlig neue Motivation sein. Siehe: Die bisherige Motivation war eine Motivation des Wegrennens. Man könnte sagen: Eine Von-Weg-Motivation.
Du wolltest sogar „davon wegrennen, etwas unerledigt zu lassen“, und hast es als Motivation betrachtet.  Das Wegrennen ist in deine Art und Weise zu Leben übergegangen.

Wenn du dich veränderst und täglich aufs Neue dir selbst zuwendest,
dann wird es eine neue Motivation geben. Diese lässt sich viel eher bezeichnen mit „Hin-Zu-Motivation.“
„Hin zu“ was?
Als allererstes: Hin zu dir selbst. Mache es dir zur Angewohnheit, ja zu Priorität Nr.1
dich immer wieder selbst zu beobachten. Achte auf deine Gefühle, auf deine Gedanken und deine Wünsche. Schenke dir selbst Aufmerksamkeit!

Was wünsche ich mir heute? Welches Geschenk will ich mir jetzt machen?
Was ist der nächste Schritt zu meinem großen Traum?
Diese Art von Fragen darfst du dir zur Gewohnheit machen.
Je mehr du es dir angewöhnst hin-zu-dir selbst zu wollen,
anstatt von-dir-weg zu wollen, wirst du sehen, dass sich alles verändert.

Doch auch das „hin zu mir“ trifft es nicht so genau, denn es beinhaltet immer noch eine Distanz zu dir selbst. Doch der Verstand, der so sehr an das Rennen gewöhnt ist, braucht solche Metaphern.
Wenn ich es präziser sagen wollte, würde es lauten: „Bei mir zu sein“

Sei bei dir, renne nicht vor dir weg. Schenke dir diese Selbstliebe, die bereits in dir schlummert und freigelegt werden möchte- handle aus ihr heraus und es wird eine völlig neue Motivation geben für dich, eine die mit der vorherigen nicht vergleichbar ist.
Worte wie „Disziplin“ werden dir komisch vorkommen, da es für dich selbstverständlich sein wird,
bei der Sache zu bleiben, an etwas zu arbeiten was ein weiteres Geschenk an dich selbst ist.

Mache jede Erledigung, für die du dich entscheidest, zum Geschenk an dich!

Lasse alles was du tust zum Geschenk an dich selbst werden:
Visualisiere immer wieder den Endzustand, auch und vor allem schon bei den kleinen Dingen: Sehe das bereits gespülte Geschirr und sage dir:

„Ich schenke mir jetzt dieses saubere, gespülte Geschirr.“
Und dann freue dich innerlich, grinse, sei dankbar dass du dich hast und dir sogar mir solchen kleinen Dingen deine Zuneigung zeigen kannst.

Lasse dies zum Zentrum deiner Motivation werden, vorher machen alle anderen Motivationen
und Strategien keinen Sinn, denn sie verfehlen den Kern, bevor diese Grund-Motivation installiert ist.

Im nächsten Schritt kannst du auch an deinen Gewohnheiten arbeiten, und es gibt viele tolle Ideen um sich selbst im Alltag zu motivieren. Auch Pläne und Erledigungslisten haben ihren Sinn.
Doch siehe: Der Kern deiner Motivation muss stimmen.

Wenn du dann deine Erledigungsliste schreibst, tust du es plötzlich wirklich für dich selbst.
Du schaust sie dann gerne und oft an, weil es dir wie ein Flirt mit dir selbst vorkommt, wie eine Wunschliste, die tägliche kleine Geschenke-Liste an dich selbst.
Und jede einzelne kleine Erledigung feierst du innerlich, bist dir selbst dankbar und genießt jeden Schritt dorthin. Das macht den wirklich großen Unterschied – irgendein „fünf Punkte- Motivationsplan“ kann das zwar ergänzen, doch niemals ersetzen.

Wie gut fühlt es sich für dich an, jetzt etwas für dich selbst zu erledigen?

 

(Bild von Kkalyan)

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Kommentare 1

  1. 7ulia

    wenn ich „eigentlich produktiv sein sollte (studium)“ fange ich komischerweise einen großputz in der ganzen wohnung an. und natürlich facebook. aber darauf kann ich eigentlich auch gut verzichten, habe ich gemerkt, als ich mal zwei wochen ohne (internet) leben musste.

    aber aufräumen kann man immer, da kommts schon mal vor, dass ich sogar mit der zahnbürste die vermeintlich dreckigen fugen im bad schrubbe!

    aber komischerweise lässt es sich danach auch viel einfacher arbeiten.

    ich glaube, ich sollte in meiner wohnung keine persönlichen dinge aufbewahren, nur möbel. die lassen sich schnell säubern, vielleicht kann ich dann früher anfangen mit dem lernen 🙂

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